Die Entscheidung aus China, ab dem 1. April 2026 die Mehrwertsteuer-Exportrabatte für Photovoltaik vollständig abzuschaffen, ist kein politisches Signal, sondern ein wesentlicher externer Kosteneinfluss. Der Markt reagiert bereits. Die Auswirkungen können Unternehmen direkt in Kalkulation, Cashflow und Finanzierung treffen.
Was ist passiert – und was erwarten Marktanalysten?
China streicht die Mehrwertsteuer-Exporterstattungen für PV-Module, Solarzellen und weitere Solarprodukte ab April 2026 vollständig. Für Batterien werden die Vergünstigungen schrittweise reduziert (von 9 % auf 6 %) und bis Anfang 2027 vollständig abgeschafft.
Marktanalysten gehen davon aus, dass diese Maßnahme die Netto-Exportkosten für chinesische Photovoltaik- und Batteriehersteller deutlich erhöht. Der bisherige steuerliche Preisvorteil entfällt. Je nach Wettbewerbssituation wird diese Belastung teilweise über Margen absorbiert und teilweise über höhere Preise an internationale Abnehmer weitergegeben.
Aufgrund der rund dreimonatigen Übergangsphase wird kurzfristig mit Vorzieheffekten im ersten Quartal 2026 gerechnet, da Hersteller Exporte beschleunigen. Mittel- bis langfristig ist jedoch von einer höheren strukturellen Kostenbasis und einer neuen Preisrealität auszugehen.
Was das für Projektierer bedeutet
- Margen können weiter unter Druck geraten
- Projektkalkulationen sind neu aufzusetzen, da historische Einkaufspreise und Kostenannahmen nicht mehr belastbar sind
- Angebots-, Investitions- und Finanzierungsentscheidungen basieren andernfalls auf verzerrten Wirtschaftlichkeitsannahmen
- Eigenkapital- und Covenant-Headrooms können sich spürbar verringern
Cashflow & Planung – der kritische Punkt
Cashflow-Planungen verlieren an Belastbarkeit, wenn sie auf veralteten Preis- und Kostenannahmen beruhen. Forecasts sollten daher neu kalkuliert und regelmäßig aktualisiert werden, insbesondere mit Blick auf:
- realistische Einkaufspreise
- angepasste Margenannahmen
- belastbare Liquiditätsverläufe
- transparente Auswirkungen auf Covenants und Finanzierungsspielräume
Gerade in der Kommunikation mit Banken und Investoren ist dieser Zusammenhang entscheidend.
Take-aways für Entscheidungsträger
- Produkt- und Lieferkettenanalyse durchführen: Prüfen, ob und in welchem Umfang die eigene Produktpalette (PV-Module, Komponenten, BESS, Projektanteile) von steigenden Einkaufspreisen betroffen ist
- Projekt- und Angebotskalkulationen konsequent aktualisieren – alte Preislogiken verlassen
- Forecasts rollierend statt statisch aufsetzen
- Margen-, Liquiditäts- und Covenant-Risiken frühzeitig und transparent abbilden
- Den Jahresabschluss aktiv als Steuerungs- und Entscheidungsinstrument nutzen, insbesondere als Grundlage für Going-Concern-Beurteilung, Budgetierung und Finanzierungsdialoge
Fazit
Die Energiewende bleibt.
Aber sie verzeiht keine Schönrechnerei mehr.
Unternehmen, die ihre Kalkulationen, Planungen und Cashflow-Forecasts jetzt realistisch anpassen, sichern sich Handlungsfähigkeit, Finanzierungsspielraum und Vertrauen.
Alle anderen reagieren – häufig zu spät.